Chancenregion im Fokus
Am 21. Mai 2026 stand bei der AKA Ausfuhrkredit-Gesellschaft mbH in Frankfurt eine Region im Mittelpunkt, die für deutsche Unternehmen weiter an strategischer Bedeutung gewinnt: Mittel-, Ost- und Südosteuropa, der Südkaukasus und Zentralasien. Gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft lud die AKA zur Außenwirtschaftskonferenz „Finanzierung deutscher Exporte und Investitionen in Osteuropa und Zentralasien – erweiterte wirtschaftliche Möglichkeiten“ ein. Die Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Finanzwirtschaft, Verbänden und Institutionen zusammen. Im Zentrum standen aktuelle Marktchancen, geopolitische und makroökonomische Rahmenbedingungen sowie Finanzierungsansätze, die Export- und Investitionsvorhaben in der Region verlässlich unterstützen.
Dynamik, Nähe und Umsetzungskraft
Nach der Begrüßung durch AKA CEO Marck Wengrzik eröffnete Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (OA), das Programm mit einer Keynote. Er betonte das Potenzial der 29 im OA vertretenen Länder als Chancenregion für die deutsche Exportwirtschaft – trotz anhaltender Krisen und komplexer Rahmenbedingungen.
Insbesondere die mittelosteuropäischen Länder beschrieb Harms als Kraftzentren des europäischen Binnenmarkts. Seine Vier-C-Formel „close, competent, cost-efficient and can-do spirit“ verdeutlichte, was die Region für Unternehmen attraktiv macht: Nähe, Kompetenz, Kosteneffizienz und Umsetzungsstärke. Politischer Pragmatismus und ein ausgeprägtes Projektverständnis auf Entscheidungsebene stärken diesen Standortvorteil zusätzlich. Sein Fazit brachte die zukunftsorientierte Grundstimmung in der Region auf den Punkt: „It’s morning in Central and Eastern Europe.“
Makroökonomischer Ausblick: Exportwirtschaft im geopolitischen Umfeld
Einen makroökonomischen Blick auf die Rahmenbedingungen gab Carsten Brzeski, Global Head of Macro Research bei ING Deutschland. In seiner Keynote ordnete er die weltwirtschaftliche Lage pointiert ein und verband geopolitische Risiken, gestiegene Energiepreise, Konsum- und Konjunkturentwicklung sowie strukturelle Herausforderungen des Industriestandorts Deutschland zu einem Gesamtbild für die Exportwirtschaft. Dabei wurde deutlich: Energie, Lieferketten, Standortfragen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas lassen sich nicht isoliert betrachten. Für deutsche Unternehmen in Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien entstehen neue Marktchancen. Zugleich gewinnen resiliente Lieferketten, die Reduzierung kritischer Abhängigkeiten und eine klare strategische Positionierung weiter an Bedeutung.
Nachhaltigkeit als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor
Im ersten Panel rückte die Rolle von Nachhaltigkeit als dauerhaftes europäisches Export- und Geschäftsmodell in den Fokus. Unter der Moderation von Lorenz Volbers, Managing Director Head of Corporate Development & Digital Transformation der AKA, diskutierten Borislav Kostadinov von Finance in Motion, Axel Summer von Raiffeisen Bank International, Fabian Bahr von Carl Zeiss und Markus Glaßer von EOS.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich geopolitische Entwicklungen, fragile Lieferketten und verschärfte handelspolitische Rahmenbedingungen auf Export- und Investitionsstrategien auswirken. Die Diskussion zeigte: Nachhaltigkeit entwickelt sich von einer regulatorischen Anforderung zu einem handfesten Wettbewerbsfaktor. Gerade in innovationsgetriebenen Branchen wird es entscheidend sein , Transformation wirtschaftlich tragfähig zu finanzieren und operativ umzusetzen. Nearshoring, resilientere Lieferketten und die wachsende Bedeutung Mittel- und Osteuropas sowie Zentralasiens als Produktions-, Forschungs- und Absatzmärkte spielten dabei eine zentrale Rolle.
Sicherheit schafft Wachstum
Das zweite Panel stand unter dem Leitgedanken „Sicherheit sichert Wachstum“. Im Mittelpunkt standen Verteidigung, Energie, Ernährung, Lieferketten und Gesundheit : zentrale Felder, in denen Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Entwicklung unmittelbar miteinander verbunden sind. An der Diskussion nahmen Volker Böhmer von ODDO BHF, Olaf Holzgrefe vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik, Dr. Nataliya Zinych von John Deere, Elmar Horst von Dräger Medical Deutschland sowie Georg Büllesbach von Mitsui & Co. Deutschland teil. Gemeinsam beleuchteten sie, wie Unternehmen und Finanzierungspartner robuste Strukturen schaffen können, um Wachstum auch in volatilen Märkten zu ermöglichen.
Finanzierung, Partnerschaft und belastbare Netzwerke
Die Außenwirtschaftskonferenz machte deutlich: Finanzierung, Innovation und internationale Partnerschaften bleiben zentrale Voraussetzungen, um deutsche Unternehmen in anspruchsvollen Märkten erfolgreich zu begleiten. Gerade in Osteuropa und Zentralasien eröffnen sich weiterhin wirtschaftliche Möglichkeiten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Risikomanagement, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und belastbare Netzwerke. Für Banken, Unternehmen und institutionelle Partner kommt es darauf an, tragfähige Finanzierungs- und Kooperationsstrukturen zu schaffen – für Wachstum, Transformation und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Austausch mit Ausblick
Der anschließende Empfang bot Raum für persönliche Gespräche, neue Kontakte und die Vertiefung der diskutierten Themen. Die AKA dankt allen Referentinnen und Referenten, Panelteilnehmenden und Gästen für den offenen Austausch und freut sich auf die Fortsetzung des Dialogs.