Oktober 2026 | von Eric Zimny, Managing Director, Head of Structured Finance & Syndications, AKA

Kasachstan ist für internationale Banken kein neuer Markt. Neu ist jedoch die Dynamik, mit der das Land derzeit auf den inter­nationalen Konsortial­kredit­markt zurückkehrt. Nach Jahren vergleichs­weise geringer Aktivität sehen wir wieder größere Trans­aktionen, eine breitere inter­nationale Banken­basis und zu­nehmend Finanzierungen, die weit über den klassischen Konsortial­kredit hinaus­gehen.

Ein wichtiges Signal war die Rückkehr der Halyk Bank an den inter­nationalen Syndizierungs­markt im Jahr 2024. Die ursprünglich mit USD 200 Mio. gestartete Finan­zierung wurde aufgrund der Nachfrage auf USD 300 Mio. erhöht. Zwölf Banken aus Nord­amerika, Europa, dem Nahen Osten und Asien beteiligten sich. Für Halyk war es die erste inter­nationale Syndizierung seit 2008.

2025 folgte ForteBank mit ihrem Debüt am internationalen Konsortial­kreditmarkt. Bereits 2026 konnte die Bank mit einer neuen Finan­zierung über USD 300 Mio. und einer Laufzeit von zwei Jahren einen weiteren Schritt machen. AKA war dabei gemeinsam mit ADCB, Commerzbank, Deutsche Bank, FAB und Mashreq als Bookrunner und Mandated Lead Arranger feder­führend beteiligt. Die Mittel sollen zur Finanzierung von Projekten im realen Sektor der kasachischen Wirtschaft eingesetzt werden.

Diese Transaktionen zeigen: Der internationale Banken­markt für Kasachstan öffnet sich wieder. Noch interessanter ist jedoch, dass diese Entwicklung längst nicht auf Banken beschränkt bleibt. 
 

Mehr als ein Markt für Banken

Ein besonders gutes Beispiel dafür ist der Bergbausektor. Im Oktober 2025 nahm der kasachische Gold­produzent AK Altynalmas einen fünfjährigen, unbesicherten Konsortial­kredit über USD 220 Mio. auf. Dem Banken­konsortium gehörten Société Générale, ING, Natixis, Halyk Bank und Bank CenterCredit an. Die Finanzierung dient unter anderem der Optimierung der Finanzierungs­struktur und der Bereitstellung von Working Capital.

Gerade diese Transaktion halte ich für bemerkenswert. Inter­nationale und lokale Banken finanzieren ge­meinsam einen kasachischen Corporate über fünf Jahre – und damit deutlich länger als bei vielen klassischen Emerging-Markets-Syndizierungen.

Der Rohstoffsektor bietet darüber hinaus erhebliches Potenzial für strukturierte Lösungen. Unter­nehmen wie Kazakhmys haben bereits in der Vergangenheit Pre-Export- und Pre­payment-Finan­zierungen genutzt. Bei Kupfer, Uran, Gold und anderen strategischen Roh­stoffen können neben klassischen Corporate Loans deshalb auch Pre-Export Finance, Offtake- und Pre­payment-Strukturen sowie Kredit­ver­sicherungen eine wichtige Rolle spielen.

Das ist eine der Besonderheiten Kasachstans: Das Land verfügt nicht nur über einen Banken­sektor mit international finanzierbaren Adressen, sondern gleich­zeitig über große Roh­stoff-, Infra­struktur- und Energie­unter­nehmen mit erheb­lichem langfristigem Kapital­bedarf. 

Kasachstan, Usbekistan und Aserbaidschan: Drei unter­schiedliche Märkte

Im regionalen Vergleich zeigen sich deutliche Unterschiede. Usbekistan hat sich in den vergangenen Jahren zum trans­aktions­reichsten internationalen Konsortial­kredit­markt Zentral­asiens ent­wickelt. Vor allem staatliche und größere Geschäfts­banken treten regelmäßig als Kredit­nehmer auf.

Der Markt weist dadurch eine höhere Frequenz klassischer inter­nationaler FI-Syndizierungen auf. Aserbaidschan ist dagegen kleiner und konzentrierter. Inter­nationale Bank­liquidität fokussiert sich dort stärker auf eine be­grenzte Zahl großer Banken und staatsnaher Kredit­nehmer sowie auf den Energie- und Infra­struktur­sektor.

Kasachstan liegt strukturell anders. Die Zahl klassischer FI-Syndizierungen ist bislang geringer als in Usbekistan, gleich­zeitig ist die potenzielle Kredit­nehmer- und Projekt­basis breiter. Neben Banken wie Halyk und Forte stehen große Unter­nehmen aus Berg­bau und Metallen, Öl und Gas, Trans­port und Logistik sowie zu­nehmend erneuer­bare Energien und Infra­struktur.

Das Potenzial Kasachstans sollte deshalb nicht allein an der Zahl der jährlichen Syndizierungen gemessen werden. Ent­scheidend ist vielmehr, welche Art von Finan­zierungen der Markt künftig hervorbringen kann. 

Von „plain vanilla“ zu Structured Finance

Aktuell sind klassische Senior-Unsecured-Finanzierungen bei den öffentlich sichtbaren inter­nationalen Syndizierungen weiterhin sehr präsent. Eine voll­ständige öffentliche Statistik, die den kasachischen Markt zuverlässig in „plain vanilla“, strukturierte und ECA-gedeckte Finan­zierungen aufteilt, existiert allerdings nicht.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt jedoch, wohin sich der Markt bewegen kann. Ein hervorragendes Beispiel ist Kazakhstan Temir Zholy (KTZ). Für die Be­schaffung von Güter­zug­loko­motiven besteht eine von Société Générale und Natixis bereit­gestellte Finanzierung über rund EUR 770 Mio., abgesichert durch die französische Export­kredit­agentur Bpifrance Assurance Export. Die Finanzierung läuft lang­fristig bis 2035/36. Da­neben bestehen weitere ECA-gedeckte Fazilitäten für Güter- und Passagier­loko­motiven. 

Noch einen Schritt weiter geht die Finanzierung des Almaty Railway Bypass. KTZ vereinbarte 2026 Finan­zierungen mit AIIB, IFC und Standard Chartered über ins­ge­samt rund CHF 243 Mio., unter­stützt durch eine Garantie der Multi­lateral Investment Guarantee Agency (MIGA).

Hier zeigt sich die eigentliche Stärke strukturierter Finanzierung: Nicht eine Bank muss das gesamte Risiko übernehmen. Geschäfts­banken, Ent­wicklungs­banken, Export­kredit­agenturen und Garantie­geber können unter­schiedliche Teile des Risikos tragen und dadurch Lauf­zeiten und Finan­zierungs­volumina ermöglichen, die über einen klassischen Corporate Loan hinaus­gehen.

Wo liegen die größten Chancen?

Vier Bereiche halte ich für besonders interessant.

Erstens: Transport und Logistik. Kasachstans geografische Lage zwischen China und Europa und die wachsende Bedeutung des Middle Corridor erfordern erhebliche Investitionen in Eisenbahn, Häfen, Logistik­zentren und andere Infrastruktur. Die KTZ-Finanzierungen zeigen bereits, welche Rolle inter­nationale Banken, ECAs und multi­laterale Institutionen dabei spielen können.

Zweitens: Energie und Energiewende. Kasachstan bleibt ein bedeutender Produzent fossiler Energieträger, verfügt aber gleich­zeitig über enormes Potenzial für Wind- und Solar­energie sowie für Netze und Speicher­technologien.

Wie groß solche Finanzierungen werden können, zeigt das Mirny-Windprojekt. Die EBRD organisiert für Aktas Energy eine Finan­zierung von bis zu USD 548 Mio., darunter einen B-Loan von bis zu USD 298 Mio., der an China Construction Bank, Qatar National Bank, Société Générale und Standard Chartered syndiziert werden soll. Das Projekt verbindet einen groß­volumigen Windpark mit Batterie­speicher­technologie.

Drittens: Bergbau und Metallurgie. Kupfer, Uran, Gold und andere strategische Rohstoffe gewinnen durch Elektrifizierung, Digitalisierung und die globale Energie­wende weiter an Bedeutung. Altynalmas zeigt, dass inter­nationale Banken auch klassische Corporate-Finan­zierungen für diesen Sektor bereitstellen. Bei neuen Minen, Er­weiterungs­in­vestitionen und Verarbeitungsanlagen können zusätzlich ECA-, Pre-Export- und andere strukturierte Lösungen eingesetzt werden.

Viertens: industrielle Diversifizierung. Besonders interessant wird es dort, wo Kasachstan seine Roh­stoffe nicht lediglich exportiert, sondern zusätzliche Wert­schöpfung im eigenen Land schafft. Maschinenbau, Chemie, Agribusiness und die Weiter­ver­arbeitung von Roh­stoffen können damit neue Kredit­nehmer für den inter­nationalen Banken­markt her­vor­bringen. 

Die Rolle internationaler Banken

Internationale Banken sollten ihre Rolle dabei nicht darauf reduzieren, zusätzliche Kredit­linien bereitzustellen. Die eigentliche Aufgabe be­steht zunehmend darin, ver­schiedene Kapital­quellen mit­einander zu verbinden: internationale und lokale Geschäfts­banken, ECAs, Ent­wicklungs­banken, multilaterale Garantie­geber und Kredit­versicherer. Dadurch können Risiken ver­teilt, Lauf­zeiten verlängert und größere Finan­zierungs­volumina mobilisiert werden.

Gerade für Kasachstan halte ich dieses Modell für besonders relevant. Viele der kommenden Investitionen werden zu groß, zu lang­fristig oder zu komplex sein, um aus­schließlich über klassische bilaterale Bank­kredite finanziert zu werden.

Was kann AKA beitragen?

Genau an dieser Schnittstelle liegt auch die Rolle der AKA. Unsere Stärke besteht nicht aus­schließlich darin, eine eigene Kredit­tranche bereitzustellen. Wir können Finan­zierungen strukturieren, inter­nationale Banken in ein Kon­sortium einbinden und zusätzliche Instrumente nutzen, um Risiken auf mehrere Parteien zu verteilen.

Dazu gehören klassische Konsortialkredite ebenso wie ECA-gedeckte Finanzierungen, Kredit­versicherungen, Garantien und andere Formen der Risiko­teilung.

Unsere Rolle als Arranger und Bookrunner der USD-300-Mio.-Finanzierung für ForteBank zeigt, dass AKA bereits aktiv am kasachischen Syndizierungsmarkt beteiligt ist.

Warum lohnt sich also für kasachische Banken und Unternehmen ein Gespräch mit AKA? Weil eine Finanzierung aus meiner Sicht nicht mit einem bestimmten Produkt beginnen sollte, sondern mit einer Frage: Wie strukturieren wir ein Projekt so, dass wir möglichst viele geeignete inter­nationale Kapital­quellen erschließen können?

Die Antwort kann ein klassischer Syndicated Loan sein. Sie kann aber ebenso eine Kombination aus Geschäfts­banken, ECA-Deckung, Entwicklungsbanken und Kredit­ver­sicherung sein. Gerade diese Fähigkeit, unter­schiedliche Finanzierungs­quellen zusammenzubringen, wird für Kasachstan zu­nehmend wichtig.

Warum Kasachstan?

Persönlich verbinde ich mit Kasachstan ein Land, das internationaler, wirtschaftlich ambitionierter und unter­nehmerischer ist, als es von außen häufig wahr­genommen wird.

Bei meinen Besuchen und Gesprächen im Land ist mir ins­be­sondere der Wille aufgefallen, inter­nationale Partnerschaften nicht nur als kurz­fristige Kapital­quelle zu betrachten, sondern langfristige Geschäfts­beziehungen auf­zu­bauen.

Für mein Geschäft ist gerade die Kombination aus wirtschaftlicher Größe, enormen Roh­stoff­vor­kommen, strategischer Lage und hohem In­vestitions­bedarf außer­gewöhnlich interessant.

Halyk, Forte, Altynalmas, KTZ und Mirny stehen dabei für unter­schiedliche Facetten derselben Entwicklung: vom klassischen un­besicherten Bank­kredit über Corporate Syndications und ECA-Finan­zierungen bis hin zum komplexen Project Finance.

Das ist für mich die eigentliche Geschichte des kasachischen Kredit­marktes. Es geht nicht nur darum, ob künftig mehr syndizierte Kredite ab­ge­schlossen werden. Ent­scheidend ist, dass die Finanzierungen größer, inter­nationaler und strukturell anspruchs­voller werden. Und genau darin liegt die Chance – für Kasachstan ebenso wie für seine inter­nationalen Finanzierungs­partner.

Kazakhstan invest now

Weitere Einblicke zu Kasachstan finden Sie in der Oktober-Ausgabe von “Kazakhstan invest now”:

Internationale Finanzierung. Gemeinsam strukturiert.

Ob Konsortialkredit, ECA-gedeckte Finanzierung oder individuelle Risikoteilung: Wir entwickeln gemeinsam mit Banken und Unternehmen tragfähige Lösungen für anspruchsvolle Finanzierungsvorhaben.

Sprechen Sie mit unseren Structured-Finance-Experten.