Wirtschaftsbericht 2020


Weltwirtschaft und Welthandel: Für das Geschäftsmodell der AKA gehören zu den beeinflussenden wirtschaftlichen Rahmendaten die Entwicklungen der Weltkonjunktur, die, neben länderspezifischen Faktoren, auf den ebenfalls wichtigen Euroraum und Deutschland ausstrahlen und ebenso die relevanten Emerging Markets beeinflussen. Genauso von Bedeutung ist die Entwicklung des weltweiten Handels.

Beeinflussende Rahmenbedingungen
Weltwirtschaft und Welthandel:
Die Weltwirtschaft durchlebte im Jahr 2020 aufgrund der Coronapandemie eine Rezession. Die Weltbank beziffert den Rückgang des weltweiten realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2020 mit 4,3 % nach einem Wirtschaftswachstum von 2,3 % im Jahr 2019. Nach einem pandemiebedingten, wirtschaftlichen Einbruch im Frühjahr war mit einem Rückgang von Infektionszahlen und der Lockerung von Eindämmungsmaßnahmen in den meisten Ländern eine Wiederbelebung zur Jahresmitte zu beobachten. Mit dem Wiederaufflammen von Infektionen ist der wirtschaftliche Aufholungsprozess zum Jahresende ins Stocken geraten. Während der Rückgang der Wirtschaftsleistung in den Industrieländern mit 5,4 % angegeben wird, sollen wie wirtschaftlichen Aktivitäten in den Schwellen- und Entwicklungsländern um 2,6 % zurückgegangen sein (1). Dennoch verlief das Ausmaß der Betroffenheit in den einzelnen Regionen und Ländern unterschiedlich, je nach pandemiebezogenen Restriktionen, Wirtschaftsstrukturen und fiskalischer wie geldpolitischer Unterstützung.

Der Welthandel ging 2020 um 9,5 % zurück, vergleichbar mit dem Einbruch nach der globalen Finanzkrise von 2008 und 2009. Der pandemiebedingte, unterjährige Handelseinbruch und die anschließende Erholung waren dabei ausgeprägter und erstreckten sich auf deutlich mehr Länder. In der ersten Jahreshälfte führten Grenzschließungen zu Lieferkettenunterbrechungen. Die anschließende Erholung wurde von der Konsumnachfrage getragen, wobei sich eine Strukturverschiebung weg vom Tourismus, der soziale Interaktionen erfordert, hin zu Konsumgütern ergab. In der globalen Investitionsgüternachfrage hatte die Pandemie zwar deutlichere, aber regional unterschiedliche Spuren hinterlassen (2). Insgesamt sanken die ausländischen Direktinvestitionen um 42 % auf 859 Mrd. USD, das niedrigste Niveau seit den neunziger Jahren. Der Rückgang konzentrierte sich mit 69 % vor allem auf die Industrieländer, während die Schwellen- und Entwicklungsländer mit einem Minus von 12 % weniger stark betroffen waren (3). Im Bereich Handelsliberalisierungen wurden nur vereinzelt oder erst zum Jahresende, wie bei der Brexit-Vereinbarung, Fortschritte erzielt (4).

Industrieländer: USA – Euroraum – Deutschland
In den USA fiel der pandemiebedingte Einbruch der wirtschaftlichen Aktivitäten im Frühjahr 2020 nahezu dreimal so stark aus als während des Höhepunktes der globalen Finanzkrise. Eine zügige Lockerung der Geldpolitik und substanzielle fiskalische Maßnahmen zur Stützung der Haushaltseinkommen, die in ihrem Ausmaß die Maßnahmen während der globalen Finanzkrise überstiegen, begünstigten eine anschließende konjunkturelle Erholung. Bezogen auf das gesamte Jahr 2020 ist die Wirtschaftsleistung laut Angaben der Weltbank mit einem Rückgang von 3,6 % daher weniger stark eingebrochen als in den meisten anderen Industrienationen (5).

Gemäß der ersten Schätzung von Eurostat soll das aggregierte BIP der 19 Euroländer im Jahr 2020 pandemiebedingt um 6,8 % niedriger ausgefallen sein als im Vorjahr (6). In den einzelnen Wirtschaftssektoren verlief die Entwicklung uneinheitlich, mit einer Belebung in der Jahresmitte. Von Einschränkungen der sozialen Kontakte und der Mobilität war der Dienstleistungssektor (Tourismus, Gastronomie) am stärksten betroffen. Der Industriesektor konnte sich trotz der im Frühjahr unterbrochenen Lieferketten zur Jahresmitte vergleichsweise stärker erholen. Das Ausmaß der Rezession verlief in den einzelnen Mitgliedsstaaten je nach Infektionsgeschehen, Stringenz der Maßnahmen sowie ihrer unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen und nationalen Strategien unterschiedlich. Die fünf am stärksten betroffen Länder waren Spanien, Italien, Frankreich, Portugal und Griechenland (7). In Deutschland fiel die Rezession, begünstigt durch niedrigere Infektionszahlen im Frühjahr und eine geringere Abhängigkeit vom Tourismus, weniger ausgeprägt aus. Die Wirtschaftsleistung sank 2020 nach Angaben des statistischen Bundesamtes um 5 %, aber nicht ganz so stark, wie während der Finanzkrise 2009 mit 5,7 % (8). Ein weiterer wirtschaftlicher Einbruch wurde auch durch ein immenses Konjunkturpaket abgefedert. Auf der Nachfrageseite haben der private Verbrauch und noch deutlicher die Bruttoanlageinvestitionen verloren. Die Exporte gaben insgesamt um 9,9 % nach, wobei sich auch die weltweit geringere Investitionsgüternachfrage bemerkbar machte. Dennoch konnten sich die Ausfuhren im Jahresverlauf etwas regenerieren. Insgesamt zugelegt haben hingegen die Konsumausgaben des Staates, auch für die Pandemiebekämpfung, sowie die Bauinvestitionen (9).

Schwellen- und Entwicklungsländer:
In den Schwellen- und Entwicklungsländern spiegeln sich die beschriebenen globalen Faktoren wieder. Einige Staaten, insbesondere in Asien, konnten trotz Pandemie ein leichtes Wachstum aufweisen. Stärker betroffen waren hingegen Länder mit hoher Tourismusabhängigkeit, einem übermäßigen Infektionsausbruch oder Rohstoffexporteure, wobei je nach fiskalischen Unterstützungsmöglichkeiten Unterschiede zu verzeichnen sind. (10)

Asien
Chinas Wirtschaft verzeichnete 2020 zwar ihre niedrigste Wachstumsrate seit vierzig Jahren, aber einen Zuwachs von 2,3 %, dank einer Pandemiekontrolle und öffentlicher Investitionsprogramme. Vor dem Hintergrund der Einschränkungen im Tourismus verschob sich die Nachfrage in Europa und den USA in Richtung Konsumgüter für den häuslichen Bedarf und elektronische Erzeugnisse, aber auch nach Gesundheitsartikeln, die im Reich der Mitte hergestellt werden. (11) Vietnam und Bangladesch konnten ebenfalls ein leichtes Wirtschaftswachstum aufweisen, wobei sie von ähnlichen Effekten oder teils von Gastarbeiterüberweisungen profitierten. Indien, das in einer Phase des wirtschaftlichen Abschwungs von sehr hohen Infektionszahlen in Mitleidenschaft gezogen wurde, verzeichnete mit 9,6 % dagegen einen überdurchschnittlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung, auch durch einen großen arbeitsintensiven, von sozialen Interaktionen geprägten Dienstleistungssektor (12).

Lateinamerika
Im globalen Vergleich erlebte Lateinamerika 2020 einen überdurchschnittlich starken Rückgang seiner Wirtschaftsleistung mit 6,9 %. An regionalen Besonderheiten wogen mancherorts ein für die Einkommensgenerierung eigentlich bedeutender, aber pandemiebelasteter informeller Sektor, Defizite im Gesundheitswesen, einseitige Abhängigkeit von Rohstoffexporten (Peru, Chile, Ecuador) oder die negativen Folgen von Hurrikans. Brasilien verzeichnete, trotz hoher Fallzahlen, aber dank einer breiteren wirtschaftlichen Diversifizierung und fiskalischer Maßnahmen, einen regional unterdurchschnittlichen Rückgang des BIP von 4,5 %. Mexikos ebenfalls industrialisierte Wirtschaft wurde wiederum durch eine verbliebene Abhängigkeit von Ölexporten sowie einer weiterhin restriktiven Haushaltspolitik in Mitleidenschaft gezogen. (13)

Osteuropa
Die wirtschaftlichen Aktivitäten in Osteuropa gingen im Zuge der Coronapandemie mit 2,9 % im Jahr 2020 noch vergleichsweise moderat zurück. Die wirtschaftliche Entwicklung verlief angesichts räumlicher Nähe und Verflechtungen ähnlich wie in Westeuropa. In den meisten osteuropäischen Ländern wurden Konjunkturpakete geschnürt (14). In der Türkei wurde der Einbruch im Tourismussektor durch eine starke Kreditexpansion staatlicher Banken und einen gesunkenen Ölpreis aufgefangen. (15) Die russische Wirtschaft wurde wiederum durch den Preiseinbruch am Öl- und Gasmarkt negativ beeinflusst, wobei die Fiskalpolitik trotzdem relativ konservativ ausgerichtet blieb. Entgegen dem internationalen Trend konnte Usbekistan seine Wirtschaftsaktivitäten dank einer anhaltenden wirtschaftlichen Öffnung auf dem Vorjahresniveau halten. (16)

Afrika
Die Weltbank gab den Rückgang des BIP bezogen auf Subsahara-Afrika für 2020 mit 3,7 % an. Eine vergleichsweise jüngere Bevölkerung und geringe Transportverflechtungen sowie die Erfahrungen aus früheren Epidemien führten zu einer verlangsamten Virusausbreitung. Während die Wirtschaft in den ölexportabhängigen Ländern wie Nigeria und Angola durch den niedrigeren Ölpreis dennoch stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden, konnten agrarexportierende Länder wie Ghana und die Elfenbeinküste leichte Zuwächse verbuchen. Ägypten konnte durch internationale Hilfe, vorangegangene Reformen und eine stabile Konsumnachfrage profitieren, sodass ebenfalls ein leichtes Wirtschaftswachstum verbucht wurde (17).

Internationale Finanzierungsbedingungen:
Nach dem Ausbruch der Coronapandemie im Frühjahr 2020 haben Notenbanken weltweit umfangreiche geldpolitische Maßnahmen in Form von Zinssenkungen oder Anleihekaufprogrammen, letzteres erstmals auch in Schwellenländern, ergriffen. Die EZB reagiert mit einem umfangreichen Pandemie Notfallankaufprogramm PEPP, das im Jahresverlauf auf 1.850 Mrd. EUR erhöht wurde. Das bestehende Anleihekaufprogramm über monatlich 20 Mrd. EUR wurde fortgesetzt. Die Liquiditätsbereitstellung laufender Programme wurde durch längerfristige Pandemie-Notfallrefinanzierungsgeschäfte ergänzt. Daneben wurden die Kriterien für Kreditsicherheiten gelockert. Mit Blick auf die Leitzinsen blieb die Einlagenfazilität unverändert im seit 2019 negativen Bereich bei -0,5 % (18). Die US-Notenbank Fed nutzte ihren verbliebenen Handlungsspielraum und senkte die Leitzinsen in zwei Schritten um 1,5 % Prozentpunkte auf 0–0,25 %. Flankierend dazu wurde ein monatliches Anleihekaufprogramm von 120 Mrd. USD für US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Anleihen und Kreditprogramme aufgelegt. Zum Jahresende erklärte die Fed ihre Bereitschaft, die Inflationsrate ein Stück weit über die Zweiprozentzielmarke hinauslaufen lassen zu wollen (19).

An den Finanzmärkten drückten die Kaufprogramme der US-Notenbank die Renditen für US Staatsanleihen auf historische Tiefststände mit 0,5 % bei zehnjährigen Papieren. Nach anfänglichen Spreadausweitungen von Staatsanleihen besonders pandemiebetroffener Euroländer führten weitere geld- und finanzpolitische Maßnahmen, wie der Next Generation Fund der EU, und die Nachrichten über Impfstoffentwicklungen aber im Jahresverlauf zu verringerten Renditeabständen und negativen Benchmarkrenditen (20). In den Emerging Markets profitierten die Finanzmärkte von der global akkommodierenden Geldpolitik und nationalen fiskalischen Maßnahmen, wie Kreditgarantieprogrammen. Dies wirkte sich auch positiv auf die Kreditangebotsbedingungen, die Kreditzinsen und den Kreditfluss an Unternehmen aus. Kleinere fiskalisch schwächere Länder wie Ecuador benötigten zur Pandemiebekämpfung dennoch Unterstützung durch offizielle Kreditgeber (21). Die Währungen der meisten Emerging Markets blieben gegenüber dem Euro relativ stabil, einige asiatische Länder verzeichneten eine leichte Aufwertung, während die Türkei, Russland, Brasilien und in abgeschwächter Form Indien teils deutlich abwerten (22).

Rohstoffe:
Der unerwartete Lockdown im Frühjahr führte zu einer deutlich gesunkenen Ölnachfrage, die angesichts von verzögerten Produktionskürzungen zunächst in einen drastischen Ölpreisverfall mündete. Begünstigt durch umfangreiche Produktionskürzungen der OPEC+ und Schließungen von Ölförderungsanlagen in den USA zogen die Notierungen im Jahresverlauf wieder an. Im Gesamtjahr 2020 lag der durchschnittliche Ölpreis mit 41 Dollar pro Fass dennoch um 34 % niedriger als 2019 und leicht unterhalb des Niveaus der Jahre 2014 und 2015. Insgesamt sank die Ölnachfrage 2020 um 10 %. (23)


(1) Vgl. The World Bank: Global Economic Prospects, January 2021. Washington, DC. URL: https://www.worldbank.org/en/publication/global-economic-prospects. Kurzverweis: World Bank 2021.

(2) Vgl. ebd.

(3) Vgl. United Nations UNCTAD: Investment Trends Monitor, January 2021. Geneva. URL: unctad.org/news/global-foreign-direct-investment-fell-42-2020-outlook-remains-weak.

(4) Vgl. World Bank 2021.

(5) Vgl. ebd.

(6) Vgl. Eurostat. Pressemitteilung Euroindikatoren 17/2021 vom 02.02.2021. URL: ec.europa.eu/eurostat/de/news/euro-indicators.

(7) Vgl. European Commission. European Economic Forecast – Autumn 2020. Institutional Paper 136. November 2020. URL: https://ec.europa.eu/info/business-economy-euro/economic-performance-and-forecasts/economic-forecasts/ autumn-2020-economic-forecast_en.

(8) Vgl. Statistisches Bundesamt. Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 um 5,0 % gesunken. Pressemitteilung Nr. 20 vom 14.01.2021. URL: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressekonferenzen/2021/BIP2020/bruttoinlandsprodukt-uebersicht.html.

(9) Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Januar 2021. Pressemitteilung vom 14.01.2021. URL: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/Wirtschaftliche-Lage/202/20210114-diewirtschaftliche-lage-in-deutschland-im-januar-2021.html.

(10) Vgl. World Bank 2021.

(11) Vgl. Ankenbrand, Hendrik: Wie China die Krise besiegt hat. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19.01.2021.

(12) Vgl. World Bank 2021.

(13) Vgl. ebd.

(14) Vgl. ebd.

(15) International Monetary Fund. Turkey: Staff Concluding Statement of the 2021 Article IV Mission. January 25, 2021. URL: https://www.imf.org/en/News/Articles/2021/01/25/mcs012521-turkey-staff-concluding-statement-of-the-2021-article-iv-mission.

(16) Vgl. World Bank 2021.

(17) Vgl. ebd.

(18) Vgl. Europäische Zentralbank. Wirtschaftsbericht, Ausgabe 8/2020. URL: https://www.bundesbank.de/de/publikationen/ ezb/wirtschaftsberichte.

(19) Vgl. Federal Reserve. Monetary Policy. FOMC Statements. URL: https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy.htm.

(20) Vgl. Europäische Zentralbank. Wirtschaftsbericht, Ausgabe 3 - 8/2020. URL: https://www.bundesbank.de/de/ publikationen/ezb/wirtschaftsberichte.

(21) Vgl. World Bank 2021.

(22) Vgl. Europäische Zentralbank 2020.

(23) Vgl. World Bank 2021.