Marktentwicklungen 2017


Wir betrachten mit 2017 ein Jahr, das insbesondere vor dem Hintergrund der weltpolitischen Entwicklungen als ein Jahr der „Spaltung“ gelten kann. Eine Beobachtung, die bei verschiedenen Ereignissen im Jahresverlauf zutrifft, auf beiden Seiten des Atlantiks.

Am 20.01.2017 übergab Barack Obama sein Amt nach acht Jahren an seinen ungleichen Nachfolger Donald Trump. Was bereits während des US-amerikanischen Wahlkampfes im Vorjahr deutlich wurde, setzte sich auch nach Amtseinführung des neuen US-Präsidenten fort: Der Trend zur Rückbesinnung auf nationale Interessen, ein Trend zur Renationalisierung, verbunden mit der Abkehr von supranationalen Vereinbarungen. Im November 2016 kündigte Trump den Ausstieg seines Landes aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP an – eine Ankündigung, die damals starke Irritationen bei den US-Handelspartnern in Asien auslöste.

Den scharfen Worten ließ Trump Anfang 2017 Taten folgen. Noch im Januar unterzeichnete er ein Dekret zum TPP-Ausstieg und setzte somit eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen um. [1]

Vom Streben nach Unabhängigkeit zur politischen Unsicherheit und Spaltung

Inmitten der 2017 äußerst zäh verlaufenden Brexit-Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien zeigte sich im Dezember ein erster Lichtblick: Eine Mitteilung des Europäischen Rates bescheinigte einen hinreichenden Fortschritt der Austrittsverhandlungen in der ersten Phase, sodass der Weg frei wurde für Phase zwei, den Verhandlungen über künftige Handelsbeziehungen. Durch Übergangsregelungen bis zum Austritt am 29.03.2019 und ein anschließendes Freihandelsabkommen könnte ein sogenannter „Hard Brexit“ vermieden werden. Allerdings ist absehbar, dass auch diese Perspektive weit hinter dem heutigen Integrationsstandard zurückbleiben wird. Noch liegen beide Verhandlungspartner mit ihren Vorstellungen weit auseinander. [2]

Auf dem europäischen Festland sorgten die separatistischen Bestrebungen Kataloniens für erhebliches politisches Unbehagen in der EU. Nach der Unabhängigkeitserklärung im Herbst, die laut spanischer Verfassung illegal ist, und katalonischer Regionalparlamentswahl im Dezember, ist die Bevölkerung gespalten und die politische Lage weiterhin angespannt.

Mit Blick auf die deutsche Politik stehen wir nach der Bundestagswahl 2017 einer deutlich veränderten Parteienlandschaft gegenüber. Statt bisher fünf, sitzen seit der Wahl sieben Parteien im Bundestag: CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne, Linke und AfD. [3] Das Zeitalter der großen Volksparteien sei vorbei, schrieben die politischen Berichterstatter 2017, und von einer drohenden, dauerhaften politischen Zersplitterung ist seither die Rede.

2017 war aber auch erneut ein „geopolitisches Sorgenjahr“, geprägt durch Terroranschläge, Angstdebatten und neu entflammte Konfliktherde, wie beispielsweise der schwelende Atomkonflikt mit Nordkorea, der sich durch die Provokationen aus Washington und Pjöngjang 2017 so sehr zuspitzte wie seit Jahren nicht.

All diese wirtschaftspolitischen Herausforderungen hemmten das weltweite Wirtschaftswachstum nicht annähernd so stark, wie man dies hätte annehmen können. Aber 2017 machte deutlich, dass politische Unsicherheiten weiterhin zunehmen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Folgen für den Trade Finance Markt

Bezogen auf die rein wirtschaftlichen Entwicklungen zeigte sich das Jahr 2017 weniger spektakulär: 2017 ist die Wirtschaft global betrachtet um 3,7 % gewachsen – im Oktober war der IMF noch von 3,6 % ausgegangen. [4]

Die Preise für Erdöl und Erdgas entwickelten sich, wie schon 2016, auch im vergangenen Jahr deutlich dynamischer. Der HWWI-Rohstoffpreisindex stieg im November 2017 den fünften Monat in Folge und mit der höchsten Wachstumsrate des gesamten Jahres. Dabei stiegen die durchschnittlichen Preise aller im Index enthaltenen Rohstoffe um 7,4 %. Besonders deutlich war der Anstieg bei den Energierohstoffen zu verzeichnen. Deren Index kletterte Ende 2017 insgesamt um
8,5 %. Im Gegensatz dazu steht die Entwicklung der Nahrungs- und Genussmittel, deren Preise im November 2017 nahezu unverändert blieben. [5]

Die positiven Konjunkturentwicklungen in 2017 sind sicherlich auch in der weiterhin positiven Liquiditätssituation – bestimmt durch ein hohes Angebot an Liquidität – begründet.

Während die US-Notenbank Ende 2017 auf die positive wirtschaftliche Entwicklung in den USA reagierte und die Leitzinsen um 0,25 % erhöhte, blieb die Europäische Zentralbank ihrer 2015

beschlossenen und 2016 weiterverfolgten Richtung weitestgehend treu. 2017 leitete sie – mit der Ankündigung, ab Januar 2018 nur noch Anleihen im Wert von 30 Milliarden EUR pro Monat zu kaufen – lediglich eine vorsichtige Wende der Geldmarktpolitik ein.

Die aus der Geldmarktpolitik resultierende hohe Liquidität sorgte auch 2017 für ein weiteres Absinken der EURIBOR-Sätze. Als Resultat kam es im Jahresverlauf zu einer weiteren Senkung des durchschnittlichen 6-Monats-Euribor auf nunmehr – 0,26 %. [6]

Ein anderes Bild zeigte sich beim US-Zinsniveau im Jahresverlauf 2017: Hier war ein stetiges Wachstum zu beobachten mit einem exemplarischen Anstieg des 6-Monats-USD-LIBOR von rund 1,318 % zum Jahresbeginn auf 1,837 % zum Jahresende hin. [7] Insgesamt stehen die Märkte weiterhin spürbar unter dem Eindruck der hohen Liquidität.

Der globale Markt für Syndizierungen ist 2017 gegen den Trend der letzten Jahre rund 12 % gegenüber dem Jahr 2016 auf nunmehr 4,6 Bio. USD angestiegen [8].

Eine nach Regionen differenzierte Entwicklung zeigte sich in dem für die AKA weiterhin primär relevanten EMEA-Markt für syndizierte Kredite. Während die Volumina 2017 für die Region Westeuropa das starke Niveau von 2015 übertreffen, sinken die Volumina in Osteuropa, dem Mittleren Osten und Afrika im Vergleich zum Vorjahr erneut. [9]

Das Deckungsvolumen der Hermesdeckungen entwickelte sich 2017 mit Rückgang von rund 18 % erneut deutlich negativ und fiel damit zurück auf das Niveau vor der Finanzkrise. Das Absinken der Hermesdeckungen war insbesondere getrieben durch den Rückgang der Einzeldeckungen. Während Schiffsdeckungen in ihrem Volumen konstant blieben, gab es 2017 erneut keine Flugzeugdeckungen.

Mit Blick auf den für die AKA historisch wichtigen russischen Markt fällt 2017 ein deutlicher Dominanzverlust des pre-export financing – kurz PXF – auf. So stiegen Anzahl und Volumina der im russischen Markt dargestellten unbesicherten Transaktionen im Jahresverlauf 2017 deutlich an und entsprechend sanken die Volumen der PXF-Transaktionen. Damit einhergehend setzte sich der in 2016 begonnene Trend der Margenreduktion in 2017 mit steigendem Ausmaß fort.

Sinkende Margen sind hier wohl zum Teil als Marktkorrektur zu werten. Die PXF-Preisgestaltung hatte sich einst verdoppelt, als die Sanktionen griffen – teilweise auch begründet durch die Volatilität in den Commodity Märkten. Aber größtenteils lässt sich der Effekt einfach dadurch ableiten, dass PXF für russische Kreditnehmer die einzige internationale Option für Dollar-Darlehen bot: Die Volumina westlicher ECA-gedeckter Projektfinanzierungen brachen ein und der aufkommende internationale Markt ungedeckter Kredite für nicht sanktionierte russische Unternehmen verschwand damals nahezu vollständig. [10]

AKA behauptet sich trotz negativer Markttendenzen

Vor dem Hintergrund der skizzierten Entwicklungen kann 2017 dennoch als sehr gutes Jahr für die AKA bezeichnet werden.

Es gelang erneut, und damit gegen den Trend der für die AKA primär relevanten Märkte, den Level an Aktivitäten im Syndizierungsmarkt aufrecht zu halten. Es ist gelungen, trotz der deutlichen Veränderungen im Hermesdeckungsvolumen, insbesondere im Sekundärmarkt erfolgreich zu agieren und die Volumina im ECA-Bereich deutlich auszuweiten. Dadurch ist der scheinbare Gegentrend in der AKA-Geschäftsentwicklung von keiner derart starken Ausprägung, wie es die Volumina zunächst suggerieren mögen. Doch selbst bei Berücksichtigung dieser Sekundärmarktkäufe zeigt die AKA 2017 eindeutig eine positive Geschäftsentwicklung in diesem wichtigen Bereich.

Im Bereich Structured Finance zeigte sich für das Geschäftsjahr 2017 ein differenziertes Bild bei der AKA:

Der positiven Entwicklung bei Strukturierten Finanzierungen, sowohl für Abschlussvolumen als auch Ertrag, steht eine Zurückstufung in Transaktionen und Commitments im Bereich Receivables gegenüber, begründet in einer marktbedingt sehr hohen Konkurrenz- und damit Konditionsenge.

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet hat die AKA die 2017 für Schuldner günstige Marktsituation gut genutzt, um in der Entwicklung, sowohl im Geldmarkt als auch im Markt für mittel- bis langfristige Mittelaufnahmen, viel aktiver voranzugehen und  sich im Laufzeitenband von bis zu 10 Jahren attraktive Konditionen zu sichern.

Die markttrendbedingten Herausforderungen haben auch 2017 verstärkt deutlich gemacht, wie wichtig es ist, die AKA im Rahmen ihrer Entwicklungs- und Wachstumsmöglichkeiten auf eine breitere Basis zu stellen.

Schon im Verlauf des zurückliegenden Jahres war das Kerngeschäft der AKA durch eine stärkere Auseinandersetzung mit ECA-gedeckter Projektfinanzierung geprägt. Auf der einen Seite begann die AKA, in die Ausbildung zu investieren und auf der anderen Seite startete sie mit ersten Beteiligungen im Markt. Erste Schritte für den Aufbau von Know-how in diesem Segment unternahm die AKA 2017 direkt durch die Begleitung einiger Transaktionen.

Die Aktivitäten im Markt der ECA-gedeckten Projektfinanzierungen sind für die AKA ein besonders wichtiges Entwicklungsfeld, da dieser Markt einerseits substanzielle Potenzialvolumina generiert und andererseits aufgrund der geringeren Anzahl von Marktteilnehmern schwächer ausgeprägte Wettbewerbseffekte aufweist. Ohne Qualitätsstandards zu gefährden, sind hier Chancen für die Sicherstellung eines besseren Preisniveaus sichtbar.

Die AKA hat zudem 2017 begonnen, die Zusammenarbeit mit Banken außerhalb des Gesellschafterkreises, mit denen im Rahmen des FI-Desk-Geschäftes bereits aktive Beziehungen bestanden, zu intensivieren.

Hervorzuheben ist abschließend noch ein Thema, das schon 2017 verstärkt in den Fokus rückte, aber im Verlauf des neuen Jahres noch weiter an Wichtigkeit gewinnen wird: Der Umgang mit Sanktionsregimen. Das Deckungsinstrument wird sich als Reaktion auf die veränderten Herausforderungen und Risiken weiterentwickeln müssen. Der diesjährige Gastbeitrag von Dr. Kurt Dittrich, Partner und Leiter der Finance Division Deutschland bei Linklaters, beleuchtet das Thema insbesondere mit Blick auf das Konfliktpotential, das sich für Banken und Unternehmen im Umgang mit Sanktionsregimen unter dem deutschen Außenwirtschaftsrecht ergibt.


(1) Trump kündigt Freihandelsabkommen TPP. In: tagesschau.de vom 23.01.2017. www.tagesschau.de/ausland/trump-tpp-101.html.

(2) Dr. Aberle, Lukas, Dr. Soltész, Ulrich: Ein Downgrade steht bevor. www.lto.de/recht/hintergruende/h/brexit-verhandlungen-zweite-phase-downgrade.

(3) Herden, Tim: Parteien unterm Pflug. In: mdr aktuell Nachrichten vom 20.12.2017. www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/parteien-rueckblick-zweitausendsiebzehn-cdu-csu-spd-afd-fdp-linke-gruene-100.html.

(4) Chassot, Sylviane: Lagarde warnt vor Selbstgefälligkeit. In: Neue Zürcher Zeitung vom 22.01.2018. www.nzz.ch/wirtschaft/imf-warnt-vor-korrektur-an-finanzmaerkten-ld.1349991.

(5) Pressemitteilung: Rohölpreise steigen weiter im November. In: Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut vom 07.12.2017. hwwi-rohindex.de/index.php.

(6) Euribor Zinssätze 2017. In: global-rates.com. de.global-rates.com/zinssatze/euribor/2017.aspx.

(7) US Dollar LIBOR rates 2017. In: global-rates.com. www.global-rates.com/interest-rates/libor/american-dollar/2017.aspx.

(8) Syndicated Loans Review 2017: Top 25 firms, Thomson Reuters. In: HITC vom 03.01.2018. www.hitc.com/en-gb/2018/01/03/syndicated-loans-review-2017-thomson-reuters/.

(9) Loan Radar, 2017 – EMEA deal pipeline – week commencing 08 January 2018. In: www.loanradar.co.uk.

(10) Burroughs, Callum: Russian PXFs: Has the post-2014 bubble burst for good? In: TXF news vom 20.11.2017. www.txfnews.com/News/Article/6303/Russian-PXFs-Has-the-post-2014-bubble-burst-for-good.

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