Marktentwicklungen 2018


Vor dem Hintergrund der weltpolitischen Entwicklungen brachte 2018 insgesamt gesehen eine Fortsetzung der Spaltung. Neu ist lediglich die starke Symbolik des Handelsstreits, der die konfliktreiche Seite internationaler Beziehungen überdeutlich hervorhebt.

Im gesamten Jahresverlauf beherrschte die Politik die Börsen. Konflikte und Wahlen bewegten die Aktienkurse und Währungen. Hier ist natürlich vorrangig der von US-Präsident Trump ausgelöste Handelsstreit mit China und der EU zu nennen. Auch die italienische Verschuldungsdebatte mit der EU, Wahlen in Brasilien, die Währungskrise in der Türkei sowie die weiterhin zähen Brexit-Verhandlungen waren wichtige Einflussfaktoren [1].

Die Gräben werden tiefer: Handelskonflikte, Sanktionen, Währungskrisen und Rezessionssignale

2018 war auch ein Jahr, in dem sich viele wirtschaftliche Hoffnungen nicht erfüllten. Im Mai zog sich beispielsweise die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurück. Die Ölpreise reagierten sofort: Der Ölpreis näherte sich der 80-Dollar-Marke [2]. Ein anderes Beispiel ist hier sicherlich auch Argentinien. Im September 2018 hatte der Peso rückblickend seit Jahresbeginn mehr als die Hälfte seines Wertes verloren und die Inflation lag bei mehr als 30 %. Die Regierung musste den Internationalen Währungsfond IWF zur Hilfe rufen.

Der IWF war es auch, der Ende des Jahres zu mehr internationaler Zusammenarbeit mahnte. Multilaterale Kooperationen würden wichtiger denn je, da der Spielraum der Länder für Gegenmaßnahmen im Falle eines deutlichen weltweiten Abschwungs geringer sei als vor der Finanzkrise 2008 [3].

Für den deutschen Markt und mit Blick auf die Geschäftsentwicklung der AKA sind vor allem die losen Enden im Handelskonflikt zwischen EU und USA von Bedeutung. Nach den Strafzöllen für Stahl- und Aluminiumlieferungen im März 2018 drohte US-Präsident Trump mehrfach mit Zöllen für europäische Autos. Eine weiterhin starke Unsicherheit, mit der die Automobilindustrie zu kämpfen hat. Das „Damoklesschwert“ der Autozölle ist trotz persönlicher Gespräche deutscher Hersteller mit Trump im Dezember noch nicht endgültig vom Tisch.

Mit den internationalen Zollkonflikten und einem drohenden „Harten Brexit“ wird das Umfeld für Unternehmen deutlich rauer. Wir sollten nicht vergessen: Als einer der größten Exportmärkte hat Großbritannien eine große Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Wenn wir dorthin unser Augenmerk richten, dann lässt sich die Wachstumsdynamik 2018 als enttäuschend beschreiben. Auch mit Blick auf die Rahmenbedingungen in Deutschland sind 2018 wenige positive Entwicklungen zu sehen. Dies ist gut festzumachen am Beispiel Infrastruktur. Für ein so hoch entwickeltes Land wie Deutschland ist die Verkehrssituation in allen Bereichen – Bahn, Auto, Flugzeug – durch Verschlechterung geprägt. Das muss früher oder später in einer dämpfenden Wirkung für die Wirtschaftsleistung münden, wenn Kosten, vor allem Leerlaufkosten, zwingend ansteigen.

Ein weiteres Fokusthema 2018 war nach wie vor der Umgang mit Sanktionen. Ob Iran, Türkei oder Russland: Sanktionen kreieren verstärkt Unsicherheit und haben bereits spürbar zu einem Rückgang von Investitionen geführt. In diesem Zusammenhang ein Hinweis auf den diesjährigen Gastbeitrag des Geschäftsberichtes, der sich ebenfalls der konfliktreichen Handelspolitik und deren Folgen widmet: Der Beitrag von Prof. Dr. Erdal Yalcin, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Hochschule Konstanz, Fakultät für Wirtschafts-, Kultur- und Rechtswissenschaften, beleuchtet das Thema „Unsichere Zeiten für die Weltwirtschaft – Zeit für ein klares Bekenntnis zum transatlantischen Wirtschaftsmodell“. Seine Ausführungen knüpfen an die 2018 so beherrschenden Diskussionen rund um die Handelskonflikte und Abkehr von freiem Welthandel an: Das bisherige erfolgreiche, wettbewerbsbasierte, globale Wirtschaftsmodell befinde sich nach über 60 Jahren am Scheideweg. Dieser kritische Augenblick spiegele sich nicht nur in theoretischen Wirtschaftsdebatten wider, sondern sei in den zunehmend wahrscheinlicher werdenden Rezessionen sowohl auf nationaler wie auch auf globaler Ebene wiederzufinden.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Folgen für den Trade Finance-Markt:

Am Ende von 2018 stellt sich die Welt in ihrer Gesamtheit als schwieriger und volatiler dar. Bezogen auf die rein wirtschaftlichen Entwicklungen zeigte sich das Jahr 2018 weniger spektakulär: 2018 ist die Wirtschaft global betrachtet um 3,7 % gewachsen – laut IMF-Prognose ist für 2019 eine Verlangsamung auf 3,5 % zu erwarten [4].

Der schon mehrfach erwähnte Handelskonflikt ist auch als Rahmenbedingung für den Trade Finance-Markt direkt als erstes zu nennen: Die Befürchtungen über eine schwächere Weltkonjunktur belasteten 2018 die Rohstoffmärkte. Der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China sowie zwischen den USA und der EU dämpfte die Erwartungen an die Wachstumsaussichten der Volkswirtschaften. Die Unsicherheit über die Folgen des Konfliktes belastete die weltweite Rohstoffnachfrage und in Folge dessen sanken die Preise, vor allem am Rohölmarkt.

Der HWWI-Rohstoffpreisindex fiel im De-zember 2018 um 9,5 %. Damit sanken die Rohstoffpreise im letzten Monat des Jahres 2018 erneut deutlich, wenn auch weniger kräftig als im November. Der Gesamtindex verringerte sich auf 112,9 Punkte und lag damit um 4,8 % niedriger als vor einem Jahr. Den deutlichsten Verlust wies der Index für Energierohstoffe auf. Er verbilligte sich im Monatsdurchschnitt um 10,5 % [5]. Damit haben die Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten die gute konjunkturelle Entwicklung in Deutschland 2018 begünstigt.

Während die US-Notenbank im Verlauf des Jahres auf die positive wirtschaftliche Entwicklung in den USA reagierte und die Leitzinsen in drei Schritten nach und nach er-höhte, blieb die Europäische Zentralbank ihrer 2015 beschlossenen und 2016 weiterverfolgten Richtung weitestgehend treu. 2017 leitete sie – mit der Ankündigung, ab Januar 2018 nur noch Anleihen im Wert von 30 Mrd. EUR pro Monat zu kaufen – lediglich eine vorsichtige Wende der Geldmarktpolitik ein. Seit September 2018 hat die EZB das monatliche Ankaufsvolumen von derzeit 30 Mrd. EUR im Rahmen des „Quantitative Easing“ auf 15 Mrd. EUR reduziert. 2019 soll der Nettoerwerb enden. Für 2019 sind hier keine resultierenden Zinseffekte zu erwarten. Mit Blick auf mögliche rezessive Tendenzen 2019 hat sich die USA somit größeren Spielraum geschaffen, um auf eine global abgeschwächte Wirtschaft reagieren zu können.

Die aus der Geldmarktpolitik der EZB weiterhin resultierende hohe Liquidität sorgte auch 2018 für ein weiteres – allerdings nur noch sehr moderates – Absinken der EURIBOR-Sätze. Als Resultat sank der 6-Monats-Euribor auf nunmehr -0,266 % [6].

AKA-Geschäftsentwicklung im Fokus:

Der für die AKA primär relevante EMEA-Syndizierungsmarkt zeigte 2018 eine gegenüber dem Vorjahr leicht positive Entwicklung in den Volumina [7] bei sich gleichzeitig weiter verschärfender Konditionssituation [8]. Allerdings waren die Aktivitäten der AKA – auch bedingt durch eine aus Risikosicht begründete Zurückhaltung im Syndizierungsmarkt für türkische FI-Risiken – in diesem Segment gegenüber dem Vorjahr leicht reduziert.

Das Deckungsvolumen der Hermesdeckungen entwickelte sich 2018 mit einem Anstieg von 17 % sehr positiv [9]. Dieser starke Trend erklärt in Teilen auch die Performance der AKA, die im Geschäftsjahr 2018 ein sehr gutes Gesamtabschlussvolumen in Höhe von 2.022 Mio. EUR erzielte. So konnte die AKA mit Blick auf die Hermes-gedeckten Transaktionen mit dem durchschnittlichen Anstieg des Neugeschäfts von 31 % gegenüber dem Vorjahr deutlich über den Trend der Hermes-Deckungen hinaus wachsen. Dies liegt an einem „Mehr an Möglichkeiten" bei Finanzierungen mit Partnern außerhalb des Gesellschafterkreises sowie einer stärkeren Fokussierung auf ECA-gedeckte Projektfinanzierungen.

Hinzu kam bei der AKA, dass die Angebote im kurzfristigen Bereich – insbesondere bei Akkreditiv-Unterbeteiligungen – 2018 sehr stark genutzt wurden und mit 542 Mio. EUR ein gegenüber dem Vorjahr signifikant verbessertes Abschlussvolumen generiert werden konnte.

In Zeiten von wachsenden Kundenanforderungen, digitalen Wettbewerbern (Stichwort Fintec) und einem komplexer werdenden Regulierungssystem wird eines immer unabdingbarer für Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum: Die Digitalisierung im Bankensektor. Welche entscheidende Rolle der Digitalisierung zukommt, haben die Banken in Deutschland erkannt. Bis 2020 wollen die Top-50 deutschen Privat- und Firmenkundenbanken bis zu 6 Mrd. EUR in Digitalisierungsinitiativen investieren [10].

Auch die AKA fokussierte bereits 2018 ihre Digitalisierung mit einer Leistungserweiterung: Als Spezialkreditinstitut mit dem Schwerpunkt ECA-Finanzierungen fühlt sich die AKA verantwortlich, auch für kleine Exportfinanzierungen nachhaltige Lösungen anzubieten. Hierzu hat sie ein eigenes Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neu geschaffen und eine IT-gestützte, digitale Produktlösung angestoßen. SmaTiX (Small Ticket Express) heißt die neue Onlinelösung für Finanzierungsanfragen. 2018 konnte die Pilotphase in Zusammenarbeit mit den Gesellschaftern, der Euler Hermes Kreditversicherung und der Exportindustrie starten. In dieser Testphase arbeitet eine Gruppe ausgewählter Exporteure gemeinsam mit der AKA an der weiteren Optimierung des Portals. Die Vision: Mit SmaTiX  entwickelt die AKA die zentrale Bearbeitungsplattform für Exportfinanzierungen im Small-Ticket-Segment.

Mit der geplanten Weiterentwicklung für 2019, gegenseitig SmaTiX und Click&Cover, die Online-Deckungsanfrage von Euler Hermes, zu integrieren, geht die AKA einen Schritt in die Richtung der Welt des API-Banking (Application Programming Interface Banking). Über APIs können Daten und Funktionen bestehender Anwendungen, zum Beispiel Online Banking-Plattformen, von Drittanbietern genutzt werden. So wird die einfache und schnelle Integration von Daten oder Banking-Funktionen in die Applikationen und Services von Drittparteien möglich. Und umgekehrt.

Die markttrendbedingten Herausforderungen haben auch 2018 verstärkt deutlich gemacht, wie wichtig es ist, die AKA im Rahmen ihrer Entwicklungs- und Wachstumsmöglichkeiten auf eine breitere Basis zu stellen.


(1) Deters, Jannik: Jahresrückblick. Handelskonflikt, Haushaltsstreit, Brexit – Das waren die politischen Höhepunkte im Börsenjahr 2018. In: handelsblatt.com vom 29.12.2018. www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/jahresrueckblick-handelskonflikt-haushaltsstreit-brexit-das-waren-die-politischen-hoehepunkte-im-boersenjahr-2018/23801394.html.

(2) Ölpreis nähert sich der 80-Dollar-Marke. In: Spiegel Online vom 01.02.2019. spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/oelpreis-steigt-wegen-gekuendigtem-atomabkommen-mit-iran-a-1207146.html.

(3) Währungsfonds senkt Prognose für deutsche Wirtschaft. In: Spiegel Online vom 21.1.2019. www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/iwf-senkt-wachstumsprognosen-fuer-deutschland-und-die-weltwirtschaft-a-1249133.html.

(4) Höltschi, René: IMF-Chefin Lagarde warnt vor den Folgen der Handelskonflikte. In: nzz.ch vom 21.1.2019. www.nzz.ch/wirtschaft/der-imf-ruft-zur-vernunft-auf-ld.1453203.

(5) Anhaltender Preisverfall am Rohölmarkt. In: Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut vom 9.1.2019. hwwi-rohindex.de/index.php.

(6) Euribor Zinssätze 2018. In: global-rates.com vom 01.02.2019. de.global-rates.com/zinssatze/euribor/2018.aspx.

(7) EMEA 2018 Snapshot. In: loanradar vom 07.01.2019. www.loanradar.co.uk/articles/42333-emea-2018-snapshot-loan-volume-and-league-tables.

(8) Another strong year in the loan market. In: Business Research ans Insights vom 12.12.2018. business.nab.com.au/another-strong-year-in-the-loan-market-32500/.

(9) Präsentation des Jahresergebnisses EKG 2019. In: IMA-Sitzung vom 17.01.2019.

(10) Digitaler Neustart für deutsche Banken. In: industrie.de vom 4.7.2018. industrie.de/allgemein/7874/.