Chancen- und Prognosebericht


Zu Jahresanfang deuteten die Umfragedaten auf eine moderate Belebung der Weltwirtschaft hin. Die Unsicherheiten durch die Verbreitung des Coronavirus werden allerdings die Konjunktur in der ersten Jahreshälfte belasten, wobei die tatsächlichen Auswirkungen nach den bisherigen Erkenntnissen noch nicht abzuschätzen sind. Mit dem weltweiten Abklingen der Epidemie soll die Wirtschaft wieder auf den ursprünglich erwarteten Wachstumspfad zurückkehren, wozu auch eine Lockerung der Geldpolitik in bedeutenden Industrieländern und fiskalische Impulse im Jahresverlauf beitragen sollen. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank kündigten in einer gemeinsamen Erklärung an, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um vor allem armen Ländern zu helfen.

Beeinflussende Rahmendaten: In den Prognosen der Weltbank vom Januar 2020 soll sich eine leichte Stabilisierung der Weltwirtschaft abzeichnen. Die globalen Tendenzen zeigen sich sowohl im Euroraum und in Deutschland als auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Prognosen für die internationalen Handelsaktivitäten folgen demselben Trend mit einem insgesamt leicht verbesserten, aber immer noch verhaltenem Ausblick im Jahresverlauf 2020.

Mit einer Stabilisierung der Rahmenbedingungen soll die Weltwirtschaft nach den Prognosen der Weltbank im Jahr 2020 mit einem realen Wachstum von 2,5 %, nach einem Zuwachs von 2,4 % im Vorjahr, im weiteren Jahresverlauf eine leichte Konjunktur-Erholung verzeichnen. Dabei weisen für 2020 die Emerging Markets in ihrer Gesamtheit mit prognostizierten 4,1 % ein stärkeres Wachstum auf als die entwickelten Wirtschaftsregionen, die lediglich um 1,4 % wachsen sollen (2). Insgesamt wird die Konjunktur von dem global niedrigen Zinsumfeld profitieren. Wirtschaftliche Impulse können von der Fiskalpolitik kommen, doch viele Länder haben aufgrund einer hohen Staatsverschuldung selbst im Umfeld niedriger Zinsen nur wenig Mittel für fiskalpolitische Maßnahmen.

Die Vorhersage für den Welthandel geht von einer Zunahme von 1,9 % für 2020 aus (3). Damit liegen die erwarteten Zahlen nur leicht über den 2019 erreichten Werten von 1,4 % und zeigen weiterhin ein geringeres Tempo auf als die Weltwirtschaft. Mit der Unterzeichnung des Teilhandelsabkommens zwischen den USA und China am 15. Januar 2020, das eine geplante partielle Zurücknahme von US-Zöllen im Gegenzug für verstärkte Importe Chinas beinhaltet, konnte im Handelskonflikt eine Deeskalation erzielt werden (4).

Für den Euroraum wird nach den Prognosen der Europäischen Kommission 2020 ein Wachstum von 1,2 % erwartet, was nur marginal höher als 2019 (1,1 %) ausfallen dürfte (5). Die globalen Bedingungen – dazu zählen verbliebene protektionistische Themen – sollen das Wachstum auch 2020 weniger als in früheren Jahren fördern, wovon insbesondere das verarbeitende, exportorientierte Gewerbe betroffen ist. Die Wachstumsstärke wird voraussichtlich weiterhin von binnenorientierten Branchen abhängen und auf einen akkommodierenden geldpolitischen Kurs der EZB angewiesen sein (6). Die Rechtfertigung für fiskalische Impulse und damit verbundene Budget-belastungen wird zunehmend mit Initiativen für grüne Investitionen begründet (7).

Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet, dass die deutsche Wirtschaft 2020 allmählich ihre Schwäche-Phase überwindet und das BIP um 1,1 % wächst nach lediglich 0,6 % im Vorjahr. „Der Gegenwind aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld wird im Zuge der Erholung des Welthandels abflauen. (8)“ Aufgrund von strukturellen Veränderungen in der Industrie und einer vergleichsweise hohen Exportabhängigkeit (9) wird die Wirtschaft in Deutschland aber weiterhin geringer als in den meisten anderen Euroländern expandieren. Das Wachstum der deutschen Exporte wird für 2019 auf 1 % beziffert und soll 2020 bei 2 % liegen (10).

Die Erwartung von verbesserten Wachstumszahlen in den Schwellen- und Entwicklungsländern wird zwar durch eine nahezu weltweit akkommodierende Geldpolitik und damit verbundenen Finanzierungsbedingungen am internationalen Kapitalmarkt gestützt, geht aber von wenigen größeren Volkswirtschaften aus. Hierzu zählen die Türkei, Russland, Argentinien, Brasilien, Mexiko, Indien und Saudi-Arabien. Hierbei handelt es sich weitgehend um Länder, die sich von einem Abschwung, ausgelöst durch finanziellen Druck oder länderspezifische Verwerfungen, auf meist niedrigem Niveau erholen. Dagegen soll Chinas lange Zeit sehr hohes Wirtschaftswachstum im Jahr 2020 unter 6 % fallen, denn das Land schwenkt erkennbar auf einen niedrigeren Wachstumspfad ein (11). Die chinesische Regierung legt ihr Augenmerk verstärkt auf die Stabilität des Finanzmarktes und den Abbau von Ungleichgewichten (12).

Die wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Ausbreitung des Coronavirus sind gegenwärtig noch nicht abschätzbar.

Neben der Betrachtung der wirtschaftlichen Lage ist es für den Geschäftsschwerpunkt der AKA wichtig, die Risiken zu beurteilen, die sich aus internationalen politischen Entwicklungen ergeben können. Eine erneute Eskalation internationaler Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und Konflikte, Sanktionen sowie die Ausbreitung von Epidemien können sich negativ auf die Wachstumserwartungen auswirken. Im Gegenzug würde das Wachstum einen Aufbruch erfahren durch handelspolitische Entspannung und die Entschärfung von geopolitischen Konflikten.

Chancenbericht: Der Begriff Chancen wird als Aussicht auf eine mögliche künftige Entwicklung oder den Eintritt von Ereignissen definiert, die zu einer für das Unternehmen positiven Prognose- beziehungsweise Zielabweichung führen können. Insofern sind Chancen als das Gegenteil von Risiken zu verstehen.

Chancen sieht die AKA aufgrund der folgenden Themenstellungen:

Die AKA hat 2019 die im Jahr zuvor begonnene Erarbeitung einer Digitalisierungsstrategie fortgesetzt und verschiedene Handlungsfelder identifiziert. Die Umsetzung der Themen wird 2020 fortgesetzt. Dabei geht es einerseits um die Themenfelder Digital Readiness, Inside-Out-Innovation und Outside-In-Innovation. Der Bereich Digital Readiness meint die Steigerung von Effizienz durch systemgestützte Prozesse und die Ermöglichung einer serviceorientierten und flexiblen Infrastruktur.

Dadurch erhofft sich die AKA eine Erhöhung des bestehenden Stückzahlengerüsts. Im Bereich der Inside-Out-Innovation geht es um die Entwicklung neuer Produkte und Services für Gesellschafterbanken sowie den Ausbau und weitere Integration des SmaTiX-Portals. Vor allem mit SmaTiX erhofft sich die AKA das Geschäftsfeld von kleinteiligen ECA-Finanzierungen bis 10 Mio. EUR auszubauen und damit trotz des bestehenden Margendrucks im ECA-Bereich einen steigenden Volumens- und Ertragsanteil zu realisieren. Bei Outside-In-Innovation handelt es sich um die kontinuierliche Evaluierung des Trade Finance-Marktes und Erprobung neuer Geschäftsmodelle für und mit den Gesellschafterbanken der AKA. Soweit eine Zusammenarbeit mit FinTechs und anderen Branchenpartnern sinnvoll erscheint, sollen Chancen aus der Zusammenarbeit geprüft und gegebenenfalls genutzt werden.  

Prognose der Entwicklungen: Zusammengefasst wird für 2020 ein Neugeschäftsvolumen von rund 2 Mrd. EUR über alle Produktgruppen hinweg geplant.

Die AKA misst einen Key Performance Indicator (KPI), der sich auf die Qualität des Kreditgeschäfts der AKA bezieht. So soll der Anteil des Adressratings in den Ratingstufen „größer 70“, bezogen auf das Gesamtkreditportfolio der AKA, maximal 10 % betragen.

Bei den finanziellen KPIs wird die Entwicklung wie folgt prognostiziert: Die Nettoerträge aus dem Kreditgeschäft belaufen sich auf rund 49 Mio. EUR.

Auf der Kostenseite ist, wie bereits 2019, in der Planung für 2020 ein Investitions- und Innovationsbudget enthalten. Mit Berücksichtigung dieses gesonderten Aufwands erwartet die AKA eine Cost-Income-Ratio von 53 % sowie einen Return on Equity vor Steuern von rund 6 %.

Die Auswirkungen des Coronavirus auf die oben prognostizierten KPIs für das Jahr 2020 sind, wie generell auf makroökonomischer Ebene, für die AKA noch nicht abschätzbar, dennoch ist voraussichtlich mit einer negativen Abweichung der Planzahlen zu rechnen.
 


(1) Vgl. Alarmstufe Rot für die Weltwirtschaft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 02.03.2020. URL: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/coronavirus-alarmstufe-rot-fuer-die-weltwirtschaft-16660470.html (Stand: 22.04.2020).

(2) Vgl. The World Bank: Global Economic Prospects. Slow Growth, Policy Challenges. Washington, DC: International Bank for Reconstruction and Development / The World Bank, January 2020. URL: https://www.worldbank.org/en/publication/global-economic-prospects (Stand: 11.02.2020). Kurzverweis: World Bank 2020.

(3) Vgl. ebd.

(4) Vgl. Phase Eins ist erfolgreich absolviert. In: Nachrichten für Außenhandel vom 15.01.2020.

(5) Vgl. European Commission. European Economic Forecast – Autumn 2019. In: Institutional Paper 115. November 2019. URL:  https://ec.europa.eu/info/business-economy-euro/economic-performance-and-forecasts/economic-forecasts/autumn-2019-economic-forecast-challenging-road-ahead_de (Stand: 11.02.2020).

(6) Vgl. ebd.

(7) Vgl. Berschens, Ruth: Schulden machen für den Klimaschutz. In: Handelsblatt vom 20.01.2020.

(8) Vgl. Statistisches Bundesamt. Deutsche Wirtschaft ist im Jahr 2019 um 0,6 % gewachsen. Pressemitteilung Nr. 018 vom 15.01.2020. URL: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/01/PD20_018_811.html (Stand: 11.02.2020). Kurzverweis: Bundesamt.

(9) Vgl. Záboji, Niklas: Nur die Industrie schrumpft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16.01.2020.

(10) Vgl. Bundesamt.

(11) Vgl. World Bank 2020.

(12) Vgl. Europäische Zentralbank: Wirtschaftsbericht – Ausgabe 8/2019 vom 27.12.2019. URL: https://www.bundesbank.de/de/publikationen/ezb/wirtschaftsberichte (Stand: 11.02.2020).